Agile – Prozesse, Arbeitsweisen, Teams, Strukturen, Denken, Management.

Das Buzzword Agil ist in aller Munde und beginnt langsam in allen Branchen und Bereichen immer wichtiger zu werden, doch warum eigentlich?

Agiles Banking

Herausforderungen für Banken: Regulationen, Cryptocurrency, gebundene Ressourcen und wirtschaftliche Rahmenbedingungen – durch Agilität Hürden überspringen.

Problemquellen die durch Agile gelöst werden:

Beim Arbeiten mit klassischen Methoden kommt es zu Problemen, die durch agile Herangehensweise verhindert werden, beziehungsweise gar nicht auftreten. Lange Entscheidungsprozesse, starre Strukturen und eine von Angst geprägte Fehlerkultur, sind beispielhafte Problemquellen, die durch Agilität stark verbessert oder sogar aufgehoben werden.

Agilität verspricht nicht nur Flexibilität, sondern auch eine Steigerung von Schnelligkeit und Effizienz. Schnelle Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen, laufende Produktverbesserungen und die aktive Einbindung von Mitarbeitern in Entscheidungen, sind nur einige wenige Vorteile. Auch der Bankensektor erkennt agiles Arbeiten zusehends für sich.
Immer kürzere Innovationszyklen schreien förmlich nach ununterbrochener Weiterentwicklung durch agile Prozesse. Mitarbeiter, die durch aktive Einbindung in Entscheidungsprozesse ein Gefühl von Wertschätzung erhalten und dadurch motiviert werden Verantwortung zu übernehmen sind ein weiterer Pluspunkt der durch agiles Arbeiten erreicht wird.

Warum Agile bei Banken:

Externe Faktoren, wie die wachsende Präsenz von sozialen Netzwerken, Niedrigzinspolitik und staatliche Regulierungen führen dazu, dass Schwarzseher wie Thomas Mayer „den Untergang der klassischen Banken“ ankündigen. Crowd-funding und Crypto-currencies sind nicht nur Alternativen, sondern starke Konkurrenz für klassische Banken. Start-ups im Finanzbereich, sogenannte „Fin-Tech-Start-ups“ werben mit erhöhter Effizienz, Schnelligkeit und Innovation während gleichzeitig auf Kundenwünsche genau eingegangen wird.

Klassische Banken werden von Kunden immer mehr als obsolet angesehen. In der Bankkundenbefragung 2018 von Crealogix, wurden die wichtigsten Bankleistungen ermittelt und gegenübergestellt, wie diese von den Usern genutzt werden. Über 90% der ÖsterreicherInnen gaben an, Überweisungen online zu tätigen. Die folgende Grafik zeigt, dass in allen Dienstleistungsbereichen bereits mehr online erledigt wird, als in der Filiale. Dieser Trend zur Digitalisierung ist einer der vielen Gründe, warum auch im Finanz Sektor mehr auf agile Methoden gesetzt werden muss.

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Copyright CREALOGIX AG – Auszug der Bankenkundenbefragung Österreich 2018 | Open Banking – das Potenzial für die Bank der Zukunft

Herausforderung der Bank:

Banken stehen, wie alle anderen Unternehmen, vor gewissen Herausforderungen, wenn es um die Implementierung einer agilen Struktur geht. Als erste ist das Eigenverständnis zu nennen; Positionierung und Spezialisierung müssen klar definiert sein. Auch auf die Wünsche der Eigentümer und Shareholder muss eingegangen werden. Neben dem Reputationsrisiko müssen andere Faktoren abgeklärt werden, und ein einheitliches und klares Leitbild, das auf Agilität basiert, an alle Mitarbeiter kommuniziert und von jenen auch verinnerlicht werden.

Eine weitere Herausforderung für Banken stellt sich durch die Legacy-Infrastruktur welche im Finanzsektor stark vorherrscht: etablierte und alt-bewährte IT Systeme, welche zwar über Jahre hinweg an das Unternehmen und dessen Bedürfnisse angepasst wurden, unterstützen die neuen agilen Methoden nicht. Die Umstellung auf neue adaptivere Software kann kostspielig sein, aber spart auf längere Zeit viele Kosten und Mühen.

Lange Entscheidungswege führen dazu, dass Verantwortlichkeiten bis zur höchsten Instanz geschoben werden, und Mitarbeiter sich davor scheuen, Verantwortung zu übernehmen.

Regulationen, Eigenkapital und gebundene Ressourcen erschweren den Schritt zur agilen Bank zusätzlich zu schwierigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie niedriges Zinsniveau, Ausfallzahlen und Kredite.

Doch wie können all diese Hürden überwunden werden?

ING DiBa – Vorreiter im Agile Banking:

Im März 2018 führte die ING-DiBa als erste Bank Österreichs agile Arbeitsstrukturen auf allen Ebenen ein. Die Unterteilung in Squads (multi-disziplinäre Kleingruppen aus ca. 7 Mitarbeitern die selbstbestimmt und autonom handeln und dabei End-to-End Verantwortung übernehmen) und darüber hinaus Tribes (mehrere Squads die ein gemeinsames Ziel verfolgen) beschleunigen die Prozesse im Unternehmen. Sogenannte „Centers of Expertise“ bündeln das Fachwissen und Know-how nach Themengebieten. Zusätzlich stehen „Agile Coaches“ den Squads zur Verfügung wodurch nochmals Effizienz und Schnelligkeit erhöht werden.

Drei Ziele wurden vor der Einführung der Agilen Strukturen von ING- DiBa festgelegt:

  • Mehr Aufmerksamkeit für den Kunden:
  • Produkte und Dienstleistungen an rasch ändernde Kundenbedürfnisse anzupassen

  • Schnelligkeit und Effizienz
  • Schnellerer Time-to-Market, Wertsteigerung und kontinuierliche Verbesserungen erzielen

  • Zusammen stärker werden:
  • Mehr Selbstbestimmung, höhere Eigenverantwortung und wachsendes Engagement

Als Resultat, wurde die ING-DiBa vom „Great Place to Work“ Institute als einer der Top-Arbeitgeber Österreichs ausgezeichnet.

‘Die Transformation zur ersten agilen Bank Österreichs war ein Meilenstein. Die Auszeichnung als “Great Place to Work” bestärkt uns darin, auch weiterhin neue Wege zu gehen. Wir wollen unseren Mitarbeitern ermöglichen, die ING in Österreich eigenverantwortlich voranzutreiben und sich dabei mit ihren individuellen Fähigkeiten und eigenen Ideen einzubringen’, sagt HR-Leiterin Gabriele Bachowsky.

Agile Banking – aber wie?

BANKING HUB erklärt die 4 Kernelemente, welche die agile Bank ermöglichen:

  • konsequente Kundenorientierung
  • Alles, von Produkten bis hin zu Dienstleistungen, muss auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet sein. Um zu erfahren, was Kunden wirklich wollen sind persönliche Gespräche essentiell. Diese sollen allerdings nicht nur sporadisch stattfinden, sondern kontinuierlich. Die erhobenen Bedürfnisse und daraus entstehenden Erkenntnisse müssen schließlich so schnell wie möglich umgesetzt werden.

  • flexible Strukturen mit hoher Eigenverantwortung
  • Damit eine umgehende Umsetzung der Erkenntnisse stattfinden kann, bedarf es flexibler Strukturen mit hoher Eigenverantwortung aller einzelnen Mitarbeiter. Selbstorganisierte, fächerübergreifende Teams welche in kurzen und intensiven Projektphasen arbeiten, beschleunigen Prozesse. Durch das Aufheben von bürokratischen Abläufen und das Entscheiden der Teams mit Eigenverantwortung, wird die Effizienz gesteigert. „Es geht um den gesteuerten Wandel von der organisierten Unverantwortung zu einer unorganisierten Verantwortung“.

  • neues Mindset
  • Durch die Umstellung des Verantwortungsgefühls, kommt es zu einem neuen Mindset. Mit Eigenverantwortung und Selbstständigkeit kommen Engagement und Freude an der Zusammenarbeit als Begleitfaktoren. Durch Lösungsorientiertes und gemeinsames Arbeiten an Zielen werden Mitarbeiter motiviert und wodurch die Produktivität steigt.

  • Sinnstiften
  • Durch das Auflösen der starren Strukturen, das Abschaffen von langwierigen Abstimmungsprozessen und Entscheidungsvorlagen, wird Sinn in alle Arbeitsprozesse gebracht. Relevante Inhalte werden in der Arbeit gefunden, und Menschen, die Sinn in dem suchen, was sie tun werden angesprochen. Es werden also folglich nicht nur Aufträge ausgeführt, sondern sinnvollen Tätigkeiten nachgegangen, die zu zeitnahen Resultaten führen.

Schritt für Schritt – der Weg zur agilen Bank

Es gibt mehrere Wege um agiler zu werden, so kann man zum Beispiel klein anfangen, mit einem „Innovationslabor“ welches als Probelauf genutzt wird. Diese Variante scheitert leider oftmals, da nur ein Teil des Unternehmens eingebunden ist.

Als zweite Option wäre ein Doppeltes Betriebssystem zu nennen, wo Digitalisierung und Automatisierung parallel zum klassischen System eingeführt werden. Ziel ist hierbei, dass der Agile Teil wächst und die klassischen Arbeitsweisen verdrängt. Bei dieser Herangehensweise kommt es leider oft zu internen Konkurrenzkämpfen zwischen den unterschiedlichen Abteilungen.

Laut bankinghub.de ist die beste Option bei der Einführung der Agilen Bank „agil- aber vorsichtig“. Hierbei wird die Bank graduell agiler gemacht, es werden also agile Strukturen schon bei der Einführung angewendet. Schritt-für-Schritt werden Veränderungen eingeführt, die nach sukzessive verbessert werden. Durch die dadurch entstehende Einbindung und Mitverantwortlichkeit der Mitarbeiter, arbeiten diese motiviert und lösungsorientiert wodurch Erfolge schnell sichtbar werden.